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Falsche Hoffnungen geweckt?

17. Mai. 2020 14:21

Von: Andreas Bosk


Rubrik: Kleefeld

Ein Gastkommentar von Andreas Bosk, Herausgeber des WirtschaftsDienst-Magazins und Inhaber des WirtschaftsDienstes Niedersachsen mit seinen Medien, Netzwerken und Angeboten der Wirtschaftsförderung.



Andreas Bosk, ein Wirtschaftsfachmann, der Hannover im Blick hat.


Der Druck war stetig gestiegen  – auch selbstgemacht. Die Diskussionen in der Öffentlichkeit um die Notwendigkeit der Corona-bedingten Einschränkungen des privaten, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens hatte ein Maß angenommen, in der Bundes- und Landespolitik nicht um eine klare Ansage herumkam. Während die einen nur ergebnisoffene Fragen stellten, forderten andere konkrete Schritte.

„Lockerungsgegner“ – vor allem in Sorge vor einer zweiten Welle –
warnten zugleich immer lauter vor zu schnellen und weitreichenden Maßnahmen. Droht der gesellschaftliche Zusammenhalt an dieser Frage zu zerbrechen? Manch einer hätte sich ein politisches „Basta“ gewünscht. Doch ein solches war und ist aufgrund der unterschiedlichen Zuständigkeiten gar nicht möglich, zugleich verbietet sich jedwedes Diskussionsverbot. Schließlich geht es um die – wenn auch nur vorübergehende – Beschränkung von Grundrechten. Und so müssen alle Betroffenen – in diesem Fall also wirklich "alle" – die Diskussionen aushalten, auch wenn sie vor dem Hintergrund der jeweiligen Sorgen um die eigene Gesundheit, die wirtschaftliche Existenz oder persönliche Freiheiten schmerzen.

Die Politik hat nun eine Antwort gegeben,
indem sie den Lockerungswünschen weiter Teile der Bevölkerung nachgegeben hat – ein notwendiger, aber „mutiger“ Schritt, wie Bundeskanzlerin Merkel kommentierte. Vieles spricht dafür, dass dies der richtige Schritt war – nicht nur, um die Wirtschaft wieder in den Gang zu bringen. Dennoch bleiben Zweifel, ob etwas mehr Ausdauer langfristig nicht sinnvoller gewesen wäre – auch wirtschaftlich. Dann hätte die Politik mehrheitlich allerdings eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen. Vor allem dadurch, dass sie falsche Hoffnungen geweckt hat. Denn über allen noch so konkret definierten und terminierten Schritten in die (neue) Normalität hängt das Damokles-Schwert der Neuinfektionen. Wäre es nicht klüger, diese Bedrohung deutlicher zu benennen?

Ihr Andreas Bosk