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Nur keine Puzzles --- was Flüchtlinge wirklich brauche

29. Dezember. 2014 19:01

Von: Winfried Mokrus


Rubrik: Kleefeld

Mehr als 300 Flüchtlinge sollen im ehemaligen Oststadtkrankenhaus untergebracht werden. Was die überwiegend männlichen Flüchtlinge brauchen, was nicht und zu welcher Hilfestellung Bezirksbürgermeister Hofmann aufruft, wird hier erklärt.



Weiß, was Flüchtline brauchen: Bezirksbürgermeister Henning Hofmann


Bedingt durch den Wunsch zu helfen, fanden sich bei der ersten Gründungsversammlung des von Bezirksbürgermeister Henning Hofmann initiierten Flüchtlingshilfenetzwerkes am 8. Dezember 2014 mehr als 130 Mitbürger in der Kapelle des ehemaligen Oststadtkrankenhauses ein. Doch oh Wunder: Hilfeleistungen, obgleich bereitwillig angeboten, konnten nicht angenommen werden: Die Logistik von Hannovers größtem Flüchtlingswohnheim ist noch gar nicht in der Lage, Hilfeangebote anzunehmen.

Erst ab dem 5. Januar 2015, so Uwe Schibat vom deutschen Roten Kreuz, werden die Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass die Haustechnik den neuerlichen Anforderungen an das Gebäude standhalten kann. Schibat: "Es ist schwierig zu unterscheiden, wer berechtigt etwas anliefert und wer sich Zugang in finsterer Absicht zum Gebäude verschaffen will. Daher werden bis zum genannten Datum nur die offiziellen Lieferungen entgegen genommen".

Der Teufel steckt im Detail
Diese Tatsache musste auch die Stadt Hannover erkennen, als sie den Entschluss zur Konversion des Krankenhauses fasste. Derzeit wird die Elektrik auf aktuellen Stand gebracht, Essküchen eingerichtet, Zimmer mit Betten, Schränken, Tischen und vielem mehr ausgestattet.

Doch auch die Zusammensetzung der neuen Bewohnerschar macht nachdenklich: Während allenthalben die Medien darüber berichten, wie kleine Kinder und Frauen geflüchtet auf der Straßen sitzen, so sieht die Realität anders aus: Diese Menschen kommen nicht aus Syrien - und es gibt kaum Kinder und kaum Frauen, die im ehemaligen Oststadtkrankenhaus untergebracht werden! Mehr als 83% sind junge Männer zwischen 18 und 30 Jahren! Dem entsprechend sind Hilfsangebote von Stadtteilbewohnerinnen wie "Kann ich spontan mit ein paar Kannen Kaffee und Keksen vorbeikommen?" fehl am Platz.

Mitbürger in der Versammlung der Hilfswilligen: Die Hilfe wird angeboten - sie muss aber angeleitet werden. Sonst kann manches schief gehen.


Die Flüchtlingen kommen aus der ganzen Welt vom Kosovo, über die Ukraine, über ganz Arabien, den Maghreb bis in nach Schwarzafrika. Überwiegend sie sie dunkler Hautfarbe, männlich, jung und muslimischen Glaubens. Zwar sind sie willig deutsch zu lernen, aber die disziplinär-notwendige Pünktlichkeit zu einer Deutschkursteilnahme ist ihnen fremd. Sie wollen auch keine Puzzles geschenkt bekommen haben! Sie können mit der deutscher Lebensweise nichts anfangen. So ist Ihnen Mülltrennung genauso fremd wie die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. An heimische Temperaturen gewöhnt, ist Ihnen selbst der energetische Umgang mit einer Heizung fremd. Ochs und Esel vor der Krippe lösen bei Ihnen keinerlei Assoziationen aus.

Was brauchen also diese Menschen?
Sie brauchen Hilfe und Unterstützung eigentlich bei allem, besonders jedoch unter Berücksichtigung Ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft. So ist der Umgang mit Behörden und den einfachen Dingen des deutschen Lebens ein permanenter Streßfaktor für sie. Deshalb ruft Bezirksübermeister Henning Hofmann zu einem zweiten Treffen der Hilfswilligen auf. Dieses findet aus Platzgründen in der Matthiaskirche statt.
 
Datum: 08.01.2015  - 18:00 Uhr
 
Kirchengemeinde Groß-Buchholz in Hannover
Groß-Buchholzer Straße 8
30655 Hannover
 

Im Rahmen des Treffens sollen verschiedene Arbeitsfelder vorgestellt werden und unter den Hilfswilligen dazu Gruppen gebildet werden. Und die angedachten Willkommenspakete sollen auch vorgeplant werden. Jeder erwachsene Flüchtling soll einen offenen und dekorierten Schuhkarton (bitte kein altes Weihnachtspapier dazu verwenden!) erhalten.

In jedem Schuhkarton sollte folgender Inhalt sein:

1x Shampoo oder 1x Shampoo kombiniert mit Duschschaum - neutrale Duftnote
1 Zahnbürste (mittel)
1 Zahnpasta
1 DiN A 5 - Block
1 Kugelschreiber
1 Topfschwamm
1 Paket Reis
1 Schokolade
1 Butterkekse

Die Kartons werden vor dem nächsten Treffen der Hilfswilligen im Vorraum der Kirchengemeinde Groß-Buchholz entgegen genommen.