Aktuelles

Erinnerungsaktion an den „Weißen Schwan“

11. November. 2019 09:24

Die Kleefelder Unternehmer erinnern mit einer großangelegten Tombola-Aktion an die berühmte Gaststätte im Herzen Kleefeld. Sie wurde 1971 abgerissen. Seinerzeit, ab etwa 1850, wurde im großen Tanzsaal aktiv Stadtteilgeschichte gelebt, u.a. gründete Heinrich Schaper (daher: Schaper Platz) hier 1894 die Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz. Die Tombola-Aktion läüft im Stadtteiltteil bis zum 30.11.2019.



Der Start der Aktion: Kleefelder Unternehmer erinnern an den Weißen Schwan.



Drei wertvolle Reproduktion werden verlost.


Zusätzlich begleitet die Standortgemeinschaft Wir sind Kleefeld e.V. die Tombola-Aktion mit einem 24-seitigen Aktionsbooklet. Hierwerden auch die Hintergründe der Aktion und die Gewinne genannt: Zu gewinnen gibt es mit Unterstützung der Sparkasse Hannover und der Galerie Knoke hochwertige Reproduktionen des „Weißer Schwan“-Gemäldes des hannoverschen Malers Hans Kreuzer.

Die Kleefelder Unternehmer starteten Ihre Aktion am 11. November 2019. „Wir wollen den Stadtteil Kleefeld wieder ins Bewusstsein der Bürger rücken“, sagt denn auch die Vorsitzende der Stadtteilunternehmer, Beate Lenkeit. „Hier wurde Geschichte geschrieben“.

Heute ist vom „Weißen Schwan“ nichts mehr zu sehen, an seiner Stelle steht in der Scheidestraße 21 der Funktionsbau der Sparkasse Hannover. „Der Erhalt solch geschichtsträchtiger Bauten wäre heute sicherlich intensiviert diskutiert worden“, sagt auch Winfried Mokrus, Marketingkoordinator des Kleefelder Unternehmervereins. „In den frühen 1970er Jahren stand der öffentliche Sinn noch nicht danach“.  Deshalb sind auch die Stadtteil-Unternehmer froh, dass vor dem Abriss des Gebäudes ein prächtiges Gemälde der Kreuzung Scheidestraße / Kirchröder Straße samt Gaststätte von Hans Kreuzer angefertigt wurde. „Das Bild steht im Eigentum der Sparkasse Hannover“, weiß die Vorsitzende Beate Lenkeit, „wir durften es für unsere Aktion reproduzieren“.

Die Tombola-Verlosung findet am 3. Dezember 2019 ab 18.00 Uhr in den Räumlichkeiten der Glaserei Knoke, Scheidestraße 33  statt. Die Glaserei / Galerie Knoke stiftet zusätzlich hochwertige Rahmenausstattung en, angepasst an viele Raumsituationen.

Die Tombola umfasst hochwertige Reproduktionen „Weißer Schwan“
im Gesamtwert von € 970,-.

1.Preis:
Reproduktion auf Leinwand im Format 100cm x80 cm, inkl.  Rahmungsgutschein im Wert von € 150,-
2.Preis:
Reproduktion auf Leinwand im Format 80cm x60 cm, inkl.  Rahmungsgutschein im Wert von € 100,-
3.Preis:
Reproduktion auf Leinwand im Format 80cm x60 cm.






Annahmeschluss ist Sonnabend, der 30. November 2019
Die Ziehung der Gewinner erfolgt am Dienstag, dem 3. Dezember 2019 ab 18.00 Uhr in den Räumlichkeiten der Glaserei Knoke, Scheidestraße 33. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Und für alle, die nicht gewinnen, gibt es auch eine Lösung. Lenkeit wiederum: „Wir haben für Kleefeld ein 24-seitiges Schnäppchen-Booklet herausgebracht – ein kleiner Gewinn für alle.“

===

Zur Geschichte der Gaststätte "Weißer Schwan"

Etwa in der Mitte der 1850er Jahre baute der Kleefelder Gastronom Schmidt den „Weißen Schwan“, ein Gasthaus in der heutigen Scheidestraße 21. Der Betrieb ging durch die Hände verschiedener Gastronomen, bis schließlich Gustav Schwan den Gasthof übernahm und einen Saal anbaute. Der Saal erfreute die Kleefelder als Vereinslokal für Turnvereine, Schützen, und Sportclubs. Ein „großer Tanz-Salon mit Parquet nebst Bühne und Clubzimmer auch passend für Vereine. Doppelkegelbahn“ wird beworben.



Der Saal des Gasthauses „Weißer Schwan“ war im März 1894 überfüllt. Aufmerksam lauschte die Menge Schuhmacher Schaper, der eine Lösung für die dringende Wohnungsfrage verhieß. Mit Schaper als Vorsitzendem wurde schließlich die Kleefelder Baugenossenschaft aus der Taufe gehoben, die schnell mehr als 300 Mitglieder fand.

Im ersten Weltkrieg wurde der Saal des „Weißer Schwan“ beschlagnahmt, doch ab 1919 konnte wieder gefeiert werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Saal als Getreidelager genutzt. In der ersten Nachkriegszeit lagerten die Briten  ihre „NAAFI“-Kost im Weißen Schwan, später plante Paul Driesen im August 1945, für den Stadtteil Kleefeld ein Kino im Gasthof "Weißer Schwan" in der Scheidestraße 21 errichten zu dürfen. Er erhielt im Oktober 1945 eine Lizenz und die erforderliche Konzession, konnte das Lichtspieltheater aber nicht eröffnen, da die Gaststätte zwischenzeitlich von der Besatzungsmacht beschlagnahmt und als Tanzbar für Angehörige der britischen Streitkräfte genutzt wurde.

Obwohl es in den Stadtteilen Kleefeld und Kirchrode (ca. 45000 Einwohner) keine kulturellen Einrichtungen gab, sah die Militärregierung keine Möglichkeit, ihr Unterhaltungszentrum zu verlegen. Erst 1951 konnte Paul Driesen die Kleefelder Lichtspiele eröffnen. In den 1950er Jahren zog die Druckerei der „Norddeutschen Zeitung“ dort ein. In den 1960er Jahren wurden Saal und Gasträume wieder der Gastronomie zugeführt und ein beliebtes Zentrum für hannoversche schlagende Burschenschaften. Die Pächter waren Wilhelm Schweimler, Heinrich Artmer und Hans Scheu.

Daß hier auch der örtliche Karnevalsverein tagte und die zwanzig schlagenden hannoverschen Korporationen ihre M-Tage abhielten, blieb in der CHRONIK DER ORTSCHAFT KLEEFELD unerwähnt, dabei haben in den fünfziger und im Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Wirt, Herr Atmer, und sein Kellner, Herr Nasemann, neben dem unvergessenen Pauklehrer, Herrn Luckner, wesentlich zum Blühen des Mensurwesens in Hannover beigetragen.

Fast wöchentlich war der Saal im Januar und Anfang Februar und dann wieder im Mai und Juni mittwochs ab 18.00 h dem Mensursport vorbehalten, – bei großem Bedarf auch noch dienstags. Der Ort war einfach ideal dafür geeignet.
Der WEISSE SCHWAN schaute dabei auf eine alte Tradition zurück. Bereits vor dem 1. Weltkrieg wurden hier Partien ausgetragen. Das Lokal war seinerzeit wohl deswegen gewählt worden, weil der nächste Polizeiposten der hannoversche Polizei weit entfernt lag. Die Besiedlung Kleefelds hatte erst Ende des 19. Jahrhunderts begonnen; und vorher gab es statt eines Dorfs hier nur drei landwirtschaftliche Betriebe. So lag es nahe, daß hier nach dem 2. Weltkrieg
ab 1952 wieder Mensuren gefochten wurden und so das Lokal seinem inoffiziellen Namen „Blutige Gans” erneut Ehre verschaffte.

Die traditionsreiche Zeit ging Anfang der sechziger Jahre zu Ende. Heinrich Atmers Pachtvertrag lief aus. In Sorge um die alte Tradition des Mensurlokals hatte er in den Übergabevertrag einen Passus aufgenommen, der es den hannoverschen Korporationen weiterhin ermöglichen sollte, hier ihre Partien auszutragen. Der beste Vertrag nutzt jedoch nichts, wenn dahinter nicht ein guter Geist steht. Dem neuen Wirt, Hans Scheu, brachte dem Fechten jedoch nicht die erhoffte Unterstützung entgegen. Statt dessen sorgte er mit überhöhten Reinigungsgebühren, die nach seinen Worten in der Toilette durch Beseitigung restlicher Blutflecken entstanden, dafür, daß eine alte hannoversche Tradition vorzeitig ein Ende fand, denn wenige Jahre später, 1968, kaufte die Hannoversche Sparkasse dieses und angrenzende alte Häuser, ließ sie abreißen und baute an ihrer Stelle eine neue Filiale. Damit endete die Geschichte des „Weißen Schwan“ endete 1971. An der Stelle des "Weißen Schwan" entstand in der Scheidestraße 21 die örtliche Filiale der "Sparkasse Hannover" (das ist auch die Lösung unseres Rätsels!).