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Asylbewerber sind da / Bezirksbürgermeister ruft zur Gründung eines Willkommensnetzwerkes auf

17. Dezember. 2014 11:45

Von: Winfried Mokrus


Rubrik: Kleefeld

Einschneidende Veränderungen erlebt der Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld: Die ersten 30 Asylbewerber trafen im ehemaligen Oststadtkrankenhaus ein. Bald werden es 300 sein. Nach einer Infoveranstaltung der Stadt plant Bezirksbürgermeister Henning Hofmann für Montag, den 22. Dezember 2014 die Gründung eines Willkommensnetzwerkes.



Eingang zum Flüchtlingsheim in der Pasteurallee


Bereits am 10. Dezember 2014 hatten in einer Bürgerinformation OB Stefan Schostok, Sozialdezernent Thomas Walter und Stadtbaurat Udo Bodemann für das lokale Verständnis im Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld geworben. Denn die Zeit drängt: Immer mehr Asylsuchende werden der Stadt Hannover zugewiesen, jeden Tag muss die Stadt Hannover rund 100 Asylsuchende aufnehmen. Die kommende Unterbringung von rund 300 Personen unterschiedlichster Kultur, Herkunft, sozialer Schichtung, religiösen Glaubens, Geschlechts wird im ehemaligen Bettenhaus des Oststadtkrankenhauses vorgenommen. Sozialderzernent Thomas Walter: "Wir haben die Situation nicht herbeigesehnt, wir gehorchen der Not".

Willkommensnetzwerk wird gegründet
Bezirksbürgermeister Kleefeld-Buchholz Henning Hofmann lädt nun, nach dem ersten Einzug von Flüchtlinge, zur Gründung eines Willkommensnetzwerkes ein. Er reagiert damit auf die immer größere Zahl von Flüchtlingen, die der Stadt Hannover zur Unterbringung zugewiesen und in das leerstehende Gebäude des ehemaligen Oststadtkrankenhauses des Klinikums Hannover aufgenommen werden.

Montag, dem 22. Dezember 2014
18:00 Uhr
Kapelle Oststadtkrankenhaus - Nebeneingang  (Pasteurallee gegegenüber der Windmühle (siehe Foto)
30659 Hannover


Hier: Mein Hilfeangebot für die Flüchtlinge im Oststadtkrankenhaus (pdf-Download-Datei 15 kB)
Ausdrucken , ausfüllen & zur Veranstaltung mitbringen

Hilfestellung zu allen Bereichen des menschlichen Lebens werden gern angenommen. Die Betreuung von Asylbewerbern kann mehrere Monate bis zu mehreren Jahren dauern. Interessenten können sich mittels der beiliegenden pdf-Datei bereits im Vorfeld für bestimmte Leistungen anmelden. Bitte den ggfs. ausgedruckten und ausgefüllten Bogen mit zur Veranstaltung bringen.
 
 


Weitere Fakten zur Situation der Flüchtlinge im Oststadtkrankenhaus:
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Wann wird eingezogen?
Die ersten Flüchtlinge kommen noch in dieser Woche (KW 50). Es handelt sich um ca. 30 Personen.

Warum müssen die Flüchtlinge untergebracht werden?
Deutschland hat sich zur Aufnahme verpflichtet, ein verteilungsschlüssel regelt die detail über die Länder und Städte. In ähnlichen Situationen vor Jahren konnten viele Flüchtlinge in einem entspannten Wohnungsmarkt untergebracht werden. Im Jahr 2014 ist der Wohnungsmarkt jedoch stark angespannt und 1.900 Menschen müssen von der Stadt hannover untergebracht werden.

Wo wohnen die Flüchtlinge?
In ganz Hannover. Die größte Dauer-Unterbringung ist jedoch im ehemaligen Oststadtkrankenhaus. Die Flüchtlinge wohnen im Bettenhaus, auf insgesamt 7 Etagen. Als Erstes wird die kürzlich renovierte 6. Etage bezogen. Sie bewohnen die ehemaligen Krankenzimmer: in den kleinen Zimmer (15qm) wohnt jeweils 1 Person, in den größeren Zimmern (20-25qm) wohnen jeweils 2 Personen oder Mütter mit Kindern.

Wie kommen die Asylbewerber in das Oststadtkrankenhaus?
Der Haupteingang wir geschlossen und nicht mehr benutzt. Die Flüchtlinge betreten das Bettenhaus durch den Hintergang und nutzen dazu den Zugang Pasteurallee gegenüber der Windmühle. Am Eingang sitzt ein Pförtner, die Pförtnerloge wird neu gebaut.

Was finden die Asylbewerber in Ihren Zimmern vor?
Sie finden einen abschließbaren Schrank, ein Bett, Stuhl, Tisch, Beleuchtung und einen individuellen Kühlschrank vor. Alle Gegenstände sind neu von der Stadt angeschafft worden. Alle Zimmer verfügen über Waschbecken, manche auch über ein spparates WC.

Dürfen die Asylbewohner ihre Zimmer individuell nutzen?

Ja, sie haben sogar einen eigenen Schlüssel dazu und können zur Wahrung ihrer Privatsphäre abschließen.

Was ist mit Fernsehen und sonstiger Zerstreuung?

Die ehemaligen Wartebereiche auf jeder Etage werden zu Aufenthaltbereichen umgestaltet. Hier werden auch Fernseher stehen.

Gibt es gemeinsames Essen für alle?
Nein, die Herkunftsländer und damit die Sozialnormen der Flüchtlinge sind zu unterschiedlich. Auf jeder Etage des Bettenhauses gibt es Gemeinschaftsküchen, in denen man sich Speisen individuell zubereiten kann.

Wer organisiert die Unterbringung?
Die Organisation vor Ort hat das Deutsche Rote Kreuz. Diese Organisation nahm für sich in Anspruch, genügend Kompetenz vorzuhalten, um die sozialen Spannungen, die Sprachbarriere, die Eingewöhnungszeit und sozialen Problemstellungen in den Griff zu bekommen. Insgesamt sind 9 Personen vor Ort, die die 300 Flüchtlinge betreuen.

Wie unterstützt die Stadt die Situation?
Zusätzlich werden Mitarbeiter abgestellt, die ein Integrationsmanagement betreiben und einen Übergang in ein deutsches Zivillegben ermöglichen.

Wer achtet nachts auf eine gewisse Ruhe und sozialen Frieden?
Drei Nachtwächter werden nachts für die nötige Nachtruhe sorgen. Im Zweifelsfall ist das Polizeikommissariat Riethorst Ansprechpartner.

Wo kaufen die Asylbewerber ein?
Sie sorgen für Ihre eigene Ernährung und kaufen ganz normalin der fußläufig erreichbaren Nachbarschaft ein.

Für wie lange werden Asylbewerber im ehemaligen Oststadtkrankenhaus wohnen?
Die Situation ist recht dauerhaft. Man rechnet seitens der Stadt mit einer Belegung des Oststadtkrankenhauses von 2-3 Jahren. Außerdem werden jeweils Neuankömmlinge im Oststadtkrankenhaus aufgenommen.

Wie wird in einem Einzelfall mit einem Asylbewerber umgegangen?
Während in der Vergangenheit (z.B. Bosnien-Konflikt 1990) lediglich 0,3% aller Asylanfragen positiv beschieden wurden, ist derzeit die Rate viel höher. Derzeit können rund 35% aller Asylbewerber in Deutschland verbleiben oder werden zumeindest geduldet. Es ist damit zu rechnen, dass künftig bis zu 70% aller Asylbewerber hier in Deutschland bleiben dürfen. Sobald ein einzelner Asylantrag genehmigt ist, darf sich der Bewerber frei in Deutschland bewegen... und wohnt dann sicherlich nicht mehr im Oststadtkrankenhaus.

Darf ich einen Asylbewerber als Anlieger beschäftigen, z.B. für Gartenarbeiten?
Nein! Im Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) sind seit 1993 die sozialen Leistungen an Asylbewerber geregelt. In den ersten 9 Monaten ihres Aufenthalts (seit dem 6. September 2013) gilt für Asylbewerber ein absolutes Arbeitsverbot. Auch danach wird die Beschäftigung nur in Ausnahmefällen gestattet.

Welche Angebote gibt es für Asylbewerber?
In der aktuellen Startphase noch recht wenige. Das DRK und weitere Organisationen wollten Kurse und Veranstaltungen zur Integration und Ausbildung (Sprache!) anbieten.

Was passiert bei Konflikten zwischen den Bewohnern?
Die Stadt und mit ihr das DRK bemühen sich, ein austariertes Verhältnis zwischen allen Beteiligten herzustellen. Man hat jedoch seitens der Stadt keine Erfahrung mit der Unterbringung von so vielen Personen. Konflikte sind jedoch menschlich und lassen sich nicht vermeiden.

Was passiert mit Kita-und Schulkindern?

Die lokalen Kita und Schulen werden angehalten, die Kinder aufzunehmen. Es gelten die bestehenden Schulbezirke, auch wenn dort Kinder bereits in Containern aus raummangel unterrichtet werden, wie. z.B. in der Grundschule Hesemannstraße.

Wie kann man helfen?
Bezirksbürgermeister Henning Hofmann hat Listen vorrätig, in denen das eigene Hilfeleistungsangebot beschrieben und festgehalten werden kann.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Flüchtling, einem Asylbewerber und einem Asylant?
Rechtlich keiner, es handelt sich nur um einen unterschiedlichen Sprachgebrauch. 

Wikipedia sagt dazu:
Asylbewerber (in Österreich: Asylwerber; in der Schweiz: Asylsuchende),
sind Personen, die bei einem Land dessen Staatsangehörigkeit sie nicht besitzen, um Asyl, das heißt um Aufnahme und Schutz vor politischer oder sonstiger Verfolgung, ersuchen. Während Asylbewerber Menschen mit einem laufenden Asylanerkennungsverfahren sind, werden anerkannte Asylbewerber als Asylberechtigte oder anerkannte Flüchtlinge bezeichnet. Der Begriff Asylant wird vor allem von rechtsstehenden Organisationen verwendet und häufig als abwertend empfunden. Der Staat, in dem die Asylbewerber um Aufnahme ansuchen, prüft in einem Asylverfahren, ob ein Anspruch auf Asyl besteht, ob es sich bei den Antragstellenden um Flüchtlinge im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention handelt und ob Abschiebungshindernisse wie Gefahren für Leib und Leben, Gefahr der Folter, drohende Todesstrafe o. Ä. vorliegen.