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Kleines Fest im kleinen Garten

20. August. 2014 13:43

Von: Winfried Mokrus


Rubrik: Kleefeld

75-Jahre Hermann-Löns-Park, die Stadt lud die Bürger zum Feiern ein. Hunderte kamen am Sonntag, dem 17. August 2014.



Publikum beim "Flügeldrehen" der Kleefelder Bockwindmühle.



Naturkundliche Führungen gehörten zum Programm.



Findlinge, Bäume und Wiesen gehören zum Hermann-Löns-Park.


Am Sonntag, dem 17. August 2014 gab die Landeshauptstadt Hannover bei trockenem aber frischem Sommerwetter ein kleines Fest für die Bevölkerung im Kleefelder Hermann-Löns-Parks. Anlass war die Eröffnung des Parks vor 75 Jahren, im August 1939, zwei Wochen vor Kriegsbeginn. Umgesetzt war damals eine idealisierte niedersächsische Landschaft im Kleinformat, mit Wiesen, Bäumen, Wasser und Felsgestein. Das passte seinerzeit auch in Hannover in die Blut-und-Boden-Ideologie der NS-Zeit.

Insbesondere der damalige hannoversche Stadtbaurat Karl Elkart (* 15. September 1880 in Altshausen; † 12. Juni 1959 in Hannover) hatte das Projekt des Herman-Löns-Parks in der 3-jährigen Bauzeit ab 1936 stark gefördert. Leider war Elkart ein übler Vertreter der Stadt Hannover, als Architekt, Stadtplaner, Baubeamter, Hochschullehrer und Publizist war er wesentlich in „Arisierungen“ und Deportationen polnischer Juden verstrickt, was bis heute ein kritisches Licht auf den Herman-Löns-Park wirft.

Historie und Ökologie
Doch dieses unliebsame Thema wurden bei der 75-Jahr-Feier am 17. August 2014 nur am Rande erwähnt, die LH Hannover erwähnt in ihren Publikationen zum Park lieber den Architekten Hans Klüppelberg. Im heutigen Mittelpunkt steht die naturnah geführte Wiesen- und Seenlandschaft, die kontinuierlich durch Öko-Fachleuten des Werkhofs gepflegt und gehätschelt wird. Der Hermann-Löns-Park stellt heute, im 75. Jahr seines Bestehens, eine Art permanente Bioausstellung dar, geschaffen aus einem Gelände, das vorher als Wiese und Obstplantage genutzt wurde. Auch baute eine städtische Ziegelei seit dem 17. Jahrhundert dort Ton ab. Nach Stilllegung der Ziegelei wurde die Tongrube zum Annateich. Wer also durch den Hermann-Löns-Park geht, den erwartet  eine Art Naturausstellung - Ökologie im Sinne von Naturbelassenheit repräsentiert der Hermann-Löns-Park nicht.

Fachwerkhäuser, grüne Wiesen, Bäume und Wasserflächen - so präsentiert sich der Hermann-Löns-Park. Auch wenn alles künstlich von Menschenhand geschaffen wurde.


Audioguides zum Ausleihen
Stefanie Krebs von "tonspur stadtlandschaft" stellte vor den mehreren hundert Zuhörern vor der Kleefelder Mühle den neuen Audioguide mit interessanten "Wiesengeschichten" vor. An sechs Stationen werden nun Geschichten von der Vergangenheit und Gegenwart des Parks, von seinen Gärtnern und Gartendirektoren, von Grasmahd und Graugänsen erzählt. Erlebbar via Audioguide, er kann zukünftig mit den dazugehörigen MP3-Geräten (gegen Pfand) im Restaurant "Alte Mühle" (Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 22 Uhr) ausgeliehen werden. Das Anhören der Tondateien kann auch per Smartphone-App erfolgen, Download über www.hermann-loens-park-hoeren.de. Erneut aufgestellt wurden im Übrigen auch die hölzerne alte Parkbeschilderung aus den 1930er Jahren, natürlich nur, wenn diese nicht mit NS-Symbolik durchzogen war. Weitere neue Wegweiser wurden angebracht.

Flügeldrehen der Bockwindmühle
Absolutes Highlight der Veranstaltung war das Drehen der Kleefelder Bockwindmühlenflügel vor dem staunenden Publikum, die Bremsen dazu wurde gegen 15.00 Uhr gelöst, nachdem die Besichtigung der Kleefelder Mühle, geleitet durch die Mühlenfreunde im Bürgerverein Kleefeld e.V. bereits am 13.00 Uhr möglich war. Es bildeten sich hierzu lang Schlangen. Der Heimatbund Niedersachsen e.V. und der Verband der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e.V. boten darüber hinaus an Ständen Bücher und Informationsschriften an. Fachleute des Werkhofs führten im Stundenrhythmus Interessierte über Parkrundwege und gaben Informationen über Flora und Fauna des Hermann-Löns-Parks.